I’m still workin’ on the english translation but for those whoa are able to read in german here is the original version.

1. Der Mythos vom Zivilisationsprozess vergraut im Angesicht der derzeitigen planetaren Krise und all ihrer Beschwörer. Die einzig wahre technologische Revolution ist die der Agrartechnik und wir befinden uns nach wie vor in diesem Prozess, “einer Art von bürgerlicher Steinzeit” wie man sagen könnte. Zivilisation bildet nur einen Ölfilm auf der riesigen Regentonne menschlicher Historie. Die Städte, so gross sie auch sein mögen, sind nichts weiter als der bäuerliche Versuch mit Mistgabeln und Mauern eine tiefe Grenze zwischen die Begriffswelten “Natur” und “Kultur” zu treiben – jahrtausende menschlicher Geschichte einfach so vergessen; als hätte es den wilden Mann niemals gegeben.
2. Domestikation ist unser wahres Bethlehem. Die Fortschritte in Wissenschaft und Technik begannen an dem Punkt, an dem der Mensch seinen Spaten zum ersten Mal in die Erde rammte. Ein seltsamer Tanz von Opfer und Kult war es, der die gegenwärtigen Formen von Zivilisation gebar. Kultur in diesem Sinne meint die Tyrannei einiger weniger über viele – eine Antifreiheit. Die Früchte der Erkenntnis sind der Erde entrissen worden, noch ehe sie zur vollen Reife gelangten.
3. Zum Beispiel der Pastoralismus – et in arcadia ego! Die Architektur des ornamentalen Grüns, von den Stadtparks bis zu den englischen Gärten, basiert auf einem bukolischen Dämmerschlaf – der Park als die letzte Bastion himmlischer Harmonie zwischen Natur und Kultur: das perfekte Bild.
4. Eine Menge Organismen profitieren von uns Menschen, die sie durch mannigfaltige Interaktionen in eine Abhängigkeit zu stürzen wussten. Im Gegenzug ziehen auch wir unsere Vorteile aus dieser Koexistenz, die mal mehr und mal weniger einer Symbiose gleicht. Das ist die Algebra der Begierde. Der Umstand, dass jede Art von Leben nur in Gemeinschaft und Tausch mit anderen Wesen leben kann. Hier gibt es keine Einzelgänger. Das ist das Prinzip von Ökologie. Die Menschen profitieren von der Fähigkeit anderer Organismen aus Licht Glucose zu produzieren. Genetisch gesehen profitiert die Kartoffel von der unsrigen Vorliebe sie zu essen. Cannabis profitiert von unserer Leidenschaft zur Berauschung mittels THC. Dungliebende Pilze profitieren von Domestikation und Viehhaltung. Um von einem anthropozentrischen Nenner auszugehen können wir von Synanthropie sprechen : wir kultivieren sie und sie kultivieren uns. Attraktivität und Begierde – die Gleichung ist immer dieselbe. Organismen profitieren von uns und vice versa. Vom hermetischen Standpunkt betrachtet sind wir nur das Ergebnis des Faktums, dass alles verbunden ist. Die Mauer ist gefallen – jegliche Trümmerstücke der Grenze zwischen Natur und Kultur sind spektakuläre Lügen.
5. Um ein Beispiel zu geben: eine Reihe von Pilzen sind für ein gesundes Wachstum und den Impuls zur Primordienbildung auf Dung und die sich darin befindlichen Stoffe angewiesen. Sie profitieren von jeglichem menschlichen Eingriff, von Rodung bis Viehhaltung, der hilft ihr Reich zu vergrössern. Adaption sucht sich die leckersten Bissen aus. Im Endeffekt heist das, dass wenn eine Art von riesigen Wiesen voll von Rinderdung mehr profitieren kann als von einer Waldlichtung mit Bambikacke, dann wird sie sich zwangsläufig auf den Lebensraum, der ihr mehr Chancen zur Entropie lässt spezialisieren. Viele Pilze aus der Gattung der Kahlköpfe und Düngerlinge verbreiteten sich so zunehmend mit dem Beginn von Domestikation. Sie sind Kinder der agrartechnologischen Revolution. Ihr Gott ist der Ziegenköpfige Pan. Mit der Invasion dieser Pilze bildeten sie mit den auf den Wiesen arbeitenden Hirten eine Symbiose, die durch die bewusstseinserweiternde Wirkung der Pilze etwas erlebten, das sie als nützlich empfanden. Eine uralte Tradition war geboren!
Diese Tradition, hervorgegangen aus Stämmen Viehzucht treibender Bauern verbreitete sich über die ganze Welt mit Ausnahme der Polarregionen und begründete Mysterien und Mythologien zahlreicher Völker. Eine Manifestation Gottes, die das geistige Prinzip des Kosmos verkörperte. Sulphur, das Geistige in der Trias der Alchemie, wird gelegentlich als Dung übersetzt. Andere erklären die Pilze gleich zum Stein der Weisen, wie etwa niederländische Smartshops oder der Kosmopolit dem folgendes Zitat zugeschrieben wird:
“Die Weisen finden unseren Stein in Scheisse, während die Ignoranten unfähig sind zu glauben, er existiere in Gold.”
6. Mit der Zeit wandelte sich diese Symbiose in ein System abhängiger und paranoider Beziehungen, um schliesslich in der willkürlichen Kultivierung dieser Arten zu gipfeln und letztenendes zu Degeneration durch eine Überdosis Kultur führten. Obwohl die Population dieser Pilze heute höher denn je ist, beginnt die DNA eine Kurve nach unten zu machen.
7. Ungefähr ab der Mitte der 80er Jahre verstärkte sich das mykologische Interesse an holzzersetzenden Pilzen aus dem Psilocybin-Komplex. Diese Arten unterscheiden sich erheblich von den Dung-Pilzen durch ihre Fähigkeit totes Holz aufzuspalten , um an die von ihnen begehrte Zellulose zu gelangen. Eine besonders wichtige Rolle spielt hier das Lignin, ein langkettiges Polymer, das von den Pilzen enzymatisch rasch zersetzt wird.
8. Ebenfalls in den 80er Jahren erkundeten einige Forstwissenschaftler von der Universität von Quebec den Einfluss von Zweigholz auf den Waldboden und kamen zu höchst interessanten Ergebnissen: Gilles Lemieux und seine Kollegen entdeckten die Wichtigkeit ¨von Holzsplittern für die Bodenökologie – Unterstützung bei der Bildung von Mycelium im Boden; Stickstoffanreicherung; Humusbildung; Wärmespeicher; Erhöhung des pH und allgemeine Belebung des Bodens. Darüberhinaus erkannten sie, dass dieser Fakt für die Gärtnerei nutzbar gemacht werden könnte. Das war keineswegs neu – schon zu Zeiten der Conquistadores bediente sich die indigene Bevölkerung Amazoniens einer künstlichen Bodendüngung bestehend aus Kohle, organischem Dünger und Holz (“terra preta”) um die sauren Tropenböden urbar zu machen und seit jeher ist das “sheet comosting” bekannt, doch mit Lemieux wurde der szientistische Ansatz gebracht, dass der Wald das Beispiel für ein funktionierendes Ökosystem ist. Eine Avantgarde war geboren, die ihren Einfluss bis zu den Ideen von Permakultur und Umweltschutztechnik ausweitete.
9. Der Mykologe Paul Stamets prägte den Begriff der “Mykoremediation” und öffnete damit eine neue Schatztruhe der Welt der Wunder. Durch die Ligninperoxidase der Holzzersetzer können ebenfalls andere Stoffe abgebaut warden, zuweilen auch solche die giftig sind und durch die Pilze in harmlose Moleküle aufgespalten werden. So können durch die Pilze Pflanzenschutzmittelreste, Nitrate und Dünger aus dem Boden entfernt werden. Die holzzersetzenden Basidiomyceten mulchen also nicht nur den Boden, sorgen für verbesserte Feuchtigkeit, binden Stickstoff, versorgen die Pflanzen via Mykorhizza mit Nährstoffen, sondern reinigen den Boden gleichzeitig von Giften. Überdies hinaus sind viele der restaurierenden Pilze ganz brauchbare Halluzinogene. [STAMETS – Mycelium running]

10. Um auf unsere einleitende Notiz zurückzukommen – “Woodlove” ist angewandter Ökokritizismus. Es ist an der Zeit die Grenzen niederzureissen. Tauschen wir den Götzen Pan gegen eine gute Portion Dionysos ein, jenen Mittler an der Schnittstelle zwischen wahnsinniger Wildnis und kultiviertem Rebenblühen.
Der dumme Bauer will keine Eindringlinge in seinem Garten, keine unerwünschte Ackerbaubegleitflora, weil er deren Wichtigkeit für seinen Boden nicht versteht. Der Wald sollte das Konzept eines gut funktionierenden Ökosystems sein, nicht der Garten oder gar das Feld! Es ist Zeit zu pflanzen statt zu roden. Das Holz ist die Batterie tausender Mikroorganismen. Hier greift das Prinzip von Mycelium, von Rhizom, besser als der schamanische Weltenbaum. Das unsichtbare Netzwerk des Lebens.
11. Die Nutzung holzzersetzender Pilze hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Nicht nur für psychoaktive Zwecke werden solche Woodlover-Kulturen angelegt; die Ergebnisse der Forschungen von Stamets und Lemieux veränderten die Sicht auf die planetarischen Zusammenhänge drastisch. An die Stelle von Düngern trat die Wiederbelebung des Bodens, in dem Bauern nichts weiter tun als die natürlichen Prozesse des Waldes zu imitieren. Mithilfe von Pilzkulturen werden mancherorts ganze Landstriche wieder ansehnlich gemacht. Sogar die konventionelle Landwirtschaft erwirbt kommerzielle Mykorhizza-Impfungen für ihren Boden. Bis hin zu etlichen Avantgarden, die unter del Motto “Decomposing” allerhand radikale Fäden spinnen, wie etwa die Künstlerin Jae Rhim Lee, die sich für die Ersetzung der konventionellen Beerdigung durch Pilzkompostanzüge ausspricht.
12. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist der Anbau holzzersetzender Pilze nicht sehr schwer, hat aber auch wenig gemein mit den klassischen Zuchtmethoden für Champignons oder psychoaktive Dungpilze. Deshalb gilt es zu Beginn erstmal eine ganze Menge Dinge zu vergessen, die man über die Pilzzucht zu wissen glaubt. Woodlover repräsentieren generell etwas Wilderes als die steril gehaltenen tropischen Zuchtpilze. Es hat sich gezeigt, dass man solche Pilze am Besten auf zerkleinerten Holzschnipseln züchten – diese Woodchips nannte Lemieux BRF (bois raméal fragmenté – also Fragmentiertes ZweigHolz) und neben der Pilzzucht eignen sich diese Holzschnipsel ebenso zum Heizen, für Trockentoiletten odfer, wie bereits gesagt zur Wiederbelebung des Bodens. Für die Pilzzucht ist es hilfreich diese Holzschnipsel mit Erde zu mischen – die darin lebenden mikroskopischen Pilze ernähren wiederum die Hyphen der Ständerpilze und fördern so deren rhizomorphes Wachstum [KWASANA, LAKOMY & MALETT – Reaction of Armillarria ostoyea to forest soil microfungi; 2004]. Zusätzlich kann man Kaffesatz als organischen Dünger dazugeben. Eine weitere Beobachtung ist, dass sich das Mycel zunehmend verdichtet, wenn man bis zur vollen Besiedelung Woodchips von unten nach oben schichtet [RHIZO – Rhizomorphenverdichtung durch Schichtung; zauberpilz.com]. Ansonsten gilt: Behüten und Loslassen ist ein und derselbe Akt. Die Pilze wollen so schnell wie möglich in den Wald. “Drinnen” wird ihr Wachstum nicht so rasant verlaufen wie in ihrer natürlichen Umgebung. Zur Schichtung eignet sich ein dunkler, kühler Ort in einer Plastikbox mit Luftzufuhr.
Vermeidet Petrischalen und jede Art von chemischem Gift, fürchtet keine Kontaminanten, tauscht euer Laborbesteck gegen Klappspaten ein, trinkt Kaffee! Wie im Zen ist alles, was man tun kann, nichts tun was den natürlichen Lauf der Dinge unterbrechen würde. Eine Philosophie des Spiels, die den Gedanken des terroir in ihre Handlungen miteinbezieht. Alles geschieht von selbst.
Keine Manipulation ! Die Pilze benötigen nicht mehr als die guten Gaben der Natur und etwas Holz. Die Zucht der Pilze ist in Ungunst geraten seitdem sie sich von der Alchemie des laissez faire hin zu einer Chemie der totalen Kontrolle entwickelt hat – geben wir ihr hiermit den Respekt zurück, der ihr gebührt – eine sakrale Arbeit !
13. Lignin – the spirit molecule. Prometheus ist zurück und das heilige Feuer, das er von den Bergen mitbrachte, transformierte sich nunmehr zu Dynamit. Lignin ist der Hauptbrennstoff zusammen mit Zelluose bei der Holzverbrennung – Feuer! Des Menschen grösstes Abenteuer. Lassen wir die Dungpilze hinter uns und starten wir die Arbeit mit dem Wald als unser aller Heimat. Permakultur als Antikultur. Warum soll man unter hohem Aufwand und Laborbedingungen tropische Dungpilze züchten, wenn die Bewusstseinserweiterung unter der nächsten Buche lauert. Lasst tausend Blumen blühen! Aber holt euch nicht die Wiese in die Wohnung! Die Pilze zurück in die Natur!
(Danke an Rhizo für die wunderschönen Bilder)